Auswanderung und Flucht

Am 20. Januar 1939 erhält Kurt Gumpel den beantragten deutschen Reisepass, am 29. Juni 1939 wandert er nach Dänemark aus.

Alle drei Söhne der Familie Gumpel befinden sich mittlerweile im Ausland. Der Vater, der Kaufmann Gustav Gumpel, war bereits 1937 eines natürlichen Todes gestorben. Die Mutter, Rosalie geborene Mosberg, wohnt bis 1939 noch im Haus in der Mittelstraße 82. Das Geschäft war bereits 1936 aufgegeben worden.

1939 wird sie gezwungen, das Haus zu verkaufen und in eines von mehreren in Lemgo eingerichteten so genannten "Juden-Häusern" zu ziehen, in denen die jüdischen Bürger der Stadt auf engstem Raum zusammen leben mussten. Rosalie Gumpel zieht zu Familie Sternheim, Paulinenstraße 5, wo sie im Haushalt hilft. Gleichzeitig betreibt sie ihre Ausreise nach Palästina. Dazu war sie und die anderen noch in Lemgo lebenden Juden am 22. Mai 1939 aufgefordert worden. Bereits einen Monat später wird ihr in Palästina eine Bescheinigung ausgestellt, dass eine Einreise nach Israel zu ihrem inzwischen dort schon lebenden Sohn Herbert (später "Mordechai" genannt) möglich sei. Am 1. August 1939 legt sie diese Bescheinigung den Lemgoer Behörden vor. Möglicherweise verhindert der Kriegsausbruch am 1. September 1939 die Ausreise.

Die dänischen Behörden erlauben politischen Flüchtlingen nur eine Arbeit in der Landwirtschaft. So nimmt Kurt Gumpel eine Stellung auf einem Bauernhof an. Er erhält für seine Arbeit freie Unterkunft und Essen, aber keine sonstige Bezahlung. Während seines Aufenthalts in Dänemark wird ihm die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen. "Nationalität: staatenlos" steht jetzt in seiner dänischen Aufenthaltsgenehmigung.

Im Frühjahr 1940 besetzen die Deutschen Dänemark. In den ersten Jahren können sich die in Dänemark lebenden jüdischen Menschen weiterhin frei bewegen. Im Jahre 1943 drängt die NS-Regierung in Berlin allerdings auf die Durchführung von Verfolgungsmaßnahmen. Die Deportation der Juden sollt im September 1943 erfolgen. Aus Angst davor flüchtet Kurt Gumpel im Oktober 1943 nach Schweden. In einer von ihm als dramatisch erinnerten Rettungsaktion setzen ihn mutige dänische Fischer mit einem Boot nach Schweden über, vorbei an einem deutschen Kriegsschiff, das den Seeweg überwachen soll. Sein Freund aus Kindertagen, Dr. Horst-Alfred Kleßmann, erinnert sich:

Kurt Gumpel verrichtet auch dort landwirtschaftliche Arbeit. Durch die schwere und ungewohnte Arbeit in der Landwirtschaft in jungen Jahren wird seine Gesundheit stark beeinträchtigt. Im Oktober 1944 muss er aus gesundheitlichen Gründen aufhören, zu arbeiten. Nach Kriegsende kehrt Kurt Gumpel am 31. Mai 1945 von Schweden nach Dänemark zurück.

Am 2. Mai 1946 erhält Kurt Gumpel eine reguläre Arbeitsgenehmigung in Dänemark. Gern würde er jetzt die unterbrochene Schul- und Berufsausbildung nachholen. Es fehlen ihm jedoch die finanziellen Mittel, um seine Ausbildung finanzieren zu können. Hinzu kommen gesundheitliche Beeinträchtigungen durch die schwere landwirtschaftliche Arbeit in jungen Jahren. Bei einem Besuch 1948 in Palästina/Israel stellt er fest, dass eine Emigration dorthin - anders als zunächst geplant - keine Perspektive für ihn mehr bedeutet. So bleibt Kurt Gumpel in Dänemark und arbeitet viele Jahre als Hausmeister und Techniker in einem Forschungsinstitut in der Nähe von Kopenhagen. In Dänemark findet er seine Frau, Greta, die 1985 verstorben ist. 

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