Lippische Wochenschau

Das Leben eines jüdischen Jugendlichen zur NS-Zeit in Lemgo 

Nico-Teens auf Kurt Gumpels Spuren

Lemgo(maz). Das Leben eines jüdischen Jugendlichen zur NS-Zeit in Lemgo haben rund 30 Jugendliche recherchiert. Die Ergebnisse präsentieren die Jungen und Mädchen auf ihrer eigenen Homepage im Internet. 

Anstoß für diese Aktion war ein Wettbewerb, den die Arbeitsgemeinschaft der evangelischen Jugend in Deutschland (aej) ausgeschrieben hat. Unter dem Thema „Ideenwettbewerb gegen Rechtsextremismus und Gewalt“ waren evangelische Jugendgruppen aufgerufen, Projekte gegen Rechts zu entwickeln und vor Ort umzusetzten. „Wichtig war vor allem der regionale Bezug“, betonte Pfarrer Andreas Lange, der den Wettbewerbsbeitrag der Lemgoer „Nico-Teens“ begleitete. Die haben sich für eine Reise in die Vergangenheit entschieden. Mit Hilfe von Karla Raveh, Lieselotte Kochsiek-Jakobfeuerborn und Jürgen Scheffler haben sich die Jugendlichen für eine Arbeit über Kurt Gumpel entschieden, der zur NS-Zeit Jugendlicher in Lemgo gewesen ist. Von Mai bis Mitte Oktober haben die Jungen und Mädchen im Stadtarchiv und im Hexenbürgermeisterhaus recherchiert, Dokumente gesichtet, Briefe gelesen und Fotos gemacht.

Hilfreich bei diesen Arbeiten war ein Karton von Kurt Gumpel mit persönlichen Dokumenten wie Briefen, Zeugnissen und Fotos, den er den Nico-Teens überlassen hat. „Wir haben versucht, Kontakt zu Kurt Gumpel aufgenommen. Das Vorhaben ist geglückt und gescheitert zugleich“, sagte Lange. Denn Gumpel sei nicht zu einem Gespräch bereit gewesen, zu sehr würden ihn die Erinnerungen an die damaligen Geschehnisse aufwühlen. Aber andere Zeitzeugen stellen sich für Interviews zur Verfügung, so auch Dr. Horst-Alfred Kleßmann. Ausschnitte aus diesem und anderen Gesprächen sowie Auszüge aus persönlichen Briefen von der Mutter an Kurt Gumpel sind neben Fotos und Texten auf der Internetseite www.projekte.nicoteens.de zu hören. Ab Mitte November können Interessierte die Projektarbeit auch als CD-Rom beim Gemeindebüro erwerben. Im Dezember fahren die Jugendlichen gemeinsam mit den anderen 35 Jugendgruppen nach Berlin zu einem Treffen mit der Bundesministerin für Jugend.

25.10.2001


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